Der schwarze Fleck auf unserer gamescom-Weste

23. August 2016 Keine Kommentare

Die als News-Maz getarnte „Wer bekommt die meisten Nummern“-Challenge war total daneben, unlustig und in keiner Weise unseren Qualitätsansprüchen genügend. Da gibt es gar nichts dran zu beschönigen, das war ein Griff ins Klo. Es ist nachvollziehbar und gerechtfertigt, dass man uns dieses Video um die Ohren gehauen hat. Florian und Gino wurden angemessen dafür gerügt und es wurden öffentlich Entschuldigungen ausgesprochen. Sowohl Florian als auch Gino sind im Übrigen sehr nette, angenehme und gebildete Menschen. Speziell Florian hat im Rahmen des Rocket-Beans-Kosmosses allerdings ein bestimmtes Image für sich kultiviert, was natürlich problematisch wird, wenn man Unwissende damit konfrontiert und gänzlich unangenehm und falsch, wenn man damit Frauen so angeht, wie es in dem Video geschehen ist.

Das Video ist jedoch weder repräsentativ für Rocket Beans im Allgemeinen, noch für unsere Berichterstattung von der gamescom im Besonderen. Die Art und Weise, in der sich gerade auch Branchenkollegen zum Thema geäußert haben, finde ich angesichts dessen ähnlich unangebracht wie das Verhalten von Florian und Gino. Im brutalsten Ton wird hier der Sender zum „YouTube-Abschaum“ gemacht, es wird persönlich beleidigt und mit dem Finger auf die Deppen von diesem Live-Sender gezeigt, der doch mal cool war. Das kann ich von Leuten nachvollziehen, die uns und unseren Content nicht kennen. Wider besseren Wissens um unser eigentliches Programm aber nun ein einzelnes Video aus einer Woche gamescom-Berichterstattung zu nehmen und darüber seine Empörung kundzutun, Aufmerksamkeit zu generieren und Herzchen abzugreifen, ist eine Respektlosigkeit gegenüber einem Team, das mit mehr als 30 Leuten von morgens bis abends tolle Inhalte von der gamescom geliefert hat – und 15 Minuten ärgerlichen Schwachsinn. Das sind etwa 0,15% aus einer Woche gamescom-Programm.

Wer sich zudem fragt, wie denn bloß jemand dieses Video abnehmen konnte: Einen 24/7-Sender zu betreiben, funktioniert ein wenig anders als jede Woche einmal einen heiteren Achtminüter in seinen YouTube-Channel zu laden oder seine circlejerkende Filterbubble mit einem wahnsinnig tiefgründigen Blog-Artikel zu beglücken. Es ist naiv, davon auszugehen, dass jedes einzelne Video, was über den Sender läuft, vorher von einer höheren Instanz freigegeben wurde. Und dennoch versuchen wir dies Woche für Woche. Gerade im Rahmen einer gamescom, wo alle ununterbrochen am Rotieren sind, ist es aber schlicht unmöglich.

In der Regel sind Anspruch, Anstand und Kompetenz der Mitarbeiter genug, um die Einhaltung gewisser Qualitätsmaßstäbe zu gewährleisten. Und immer wieder individuellen, vielfältigen und frischen Content zu ermöglichen. Manchmal klappt das allerdings nicht und wenn ein Maximum an schlechten Entscheidungen zusammenkommt, entsteht dabei das Video, das diesen Shitstorm verursacht hat.

Ich würde gerne versprechen, dass Vergleichbares nie wieder geschehen wird, aber behaltet Fackeln und Mistgabeln mal lieber in Reichweite, denn wir können, wollen und werden Rocket Beans TV nicht zu einem Konsens-Content kreierenden Apparat umbauen, wo jede Sendeminute vorher durch ein Gremium abgesegnet wurde. Wir können und werden aber unser Bestes versuchen, Videos wie dieses künftig zu vermeiden. Weil es scheiße war. Sorry dafür.

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Mein Problem mit Partnerlinks

9. April 2015 Keine Kommentare

Es tut doch keinem weh: Wer über einen Partnerlink etwas bei Amazon kauft, erhält die Wunschware zum normalen Preis. Der Amazon-Partner, der den Link generiert hat, erhält eine Provision. Alle gewinnen, alle schauen fröhlich aus der Wäsche.

Es ist gut, wenn dieses System kreativen Projekten hilft: Blogs, Podcasts, Livestream-Sendern – eigentlich immer wenn ein Affiliate-Programm eine Leistung belohnt. Anders sieht es aus, wenn mir permanent Partnerlinks von Einzelpersonen vor den Latz geballert werden. Zum Beispiel bei Twitter. Dann verdient nämlich nur noch die Einzelperson. Bei Twitter-Marktschreiern mit einer fünfstelligen Follower-Zahl sprechen wir nicht von ein paar Cent, die hier mal eben mitgenommen werden. Die Menschen, bei denen mir dieses Verhalten besonders auffällt, sollten das nicht nötig haben.

Nun kann man das Ganze als Serviceleistung für die Follower abtun wollen, nur mag ich bei der Frequenz nicht mehr so recht an edle Motive glauben. Zumal häufig nicht neutral auf günstige Produkte hingewiesen, sondern die ach so geile Blu-ray-Box, das ach so geile Shirt und die ach so geile – und bestimmt bald wieder ausverkaufte, also schnell zuschlagen! – Limited Edition einer Videospiel-Konsole bejubelt und verlinkt wird. Der Partnerlink wird dabei nicht als solcher kenntlich gemacht. Es tut doch keinem weh. Doch. Mir.

Ich folge Menschen auf Twitter, weil es mich interessiert, was sie zu erzählen haben. Interessantes, Kreatives, Kurioses, Lustiges, Trauriges. Gerne kann man auch mal von einer Neuanschaffung schwärmen oder auf ein Produkt hinweisen, auf das man sich besonders freut. Das geht aber auch ohne Partnerlink. Wer tagein tagaus den heißesten Scheiß per Partnerlink an den Follower, Fan oder Abonnenten zu bringen versucht, macht dies aus Berechnung. Er ist nicht mehr daran interessiert, ein Profil über sich als Mensch, meinetwegen auch über sich als Künstler, zu betreiben. Er sammelt Anhänger als Klickvieh. Klickvieh, das über Umwege Geld in die eigene Kasse spült.

Eine Kennzeichnung von Partnerlinks würde das Verhalten der In-die-eigene-Tasche-Wirtschafter zwar kaum weniger fragwürdig, aber zumindest transparenter machen. Klar, manchem Käufer mag es egal sein, wenn jemand bei seinem Kauf mitverdient. Das ist okay. Es ist aber nicht davon auszugehen, dass bei – sagen wir mal – 25.000 Followern alle Linkklicker wissen, auf welche Art von Link sie gerade geklickt haben. Vielleicht, weil sie die Mechanismen hinter Affiliate-Programmen nicht kennen oder verstehen. Vielleicht auch, weil sie Kids sind, die nun unbedingt auch die Blu-ray-Box, das Shirt oder die Konsole haben möchten, die ihnen gerade verlinkt wurden. Was mir dieser coole Mensch empfiehlt, muss doch schließlich auch cool sein.

Wer sich ob dieser Zeilen furchtbar auf den Hoodie getreten fühlt: Ihr könnt auf Kritik gerne weiter reagieren wie trotzige Kleinkinder, euch weiter selbst in die Baggypantstaschen lügen und euch weiter über Moralapostel echauffieren. Es ändert nichts daran, dass ihr euch selbst auf einem schmalen Grat zu jenen befindet, auf die mit dem Finger gezeigt wird. Der Weg von der Blu-ray-Box zur Uhr von Michael Kors ist kürzer als ihr denkt.

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Kinect ist da!

9. Juli 2011 Keine Kommentare

Haha, Kinect ist schon ewig da, ich weiß. Ich habe es aber erst jetzt so richtig mit über zehn Spielen getestet. Niemand sollte sich von diesem Artikel neue Infos oder Erkenntnisse erhoffen, ich blogge meine Kinect-Eindrücke aber trotzdem. Ich finde Kinect nämlich ziemlich cool.

Klar, einige Spiele sind richtiger Schrott und die typischen Schnellschüsse, die pünktlich zum Launch in die Regale gekippt wurden. Der Hardware kann man das freilich nicht vorwerfen, denn bei den guten Spielen zeigt sich, dass Kinect funktioniert und – viel wichtiger – Spaß macht.

„Kinectimals“, Microsofts „Nintendogs“ mit wilden Katzenkindern, ist zum Beispiel schön und sympathisch gemacht. Hätte man mir das als Kind vorgesetzt, wäre ich wohl angemessen ausgeflippt. Auch „Dance Central“ von Harmonix ist super und mit seiner präzisen Erfassung verschiedener Körperpartien ein prima Beleg dafür, wie gut die Technik funktionieren kann. Und nach einer Runde „Kinect Sports“ mit meiner Freundin hat sich zwar gezeigt, dass man mit zwei Kinect-Spielern schon ordentlich Platz im Wohnzimmer braucht. Es hat uns aber auch unheimlich gut unterhalten.

Nun kann man sich als Hardcore-Gamer munter darüber aufregen, dass Bewegungen manchmal verzögert umgesetzt werden. Oder auch mal gar nicht. Das bremst die übliche Jagd nach dem nächsten Highscore, nach einer fehlerfreien Performance. Man kann derlei kleine Macken aber auch einfach akzeptieren, Spaß haben und anerkennen, dass hier eine Controller-Vision verwirklicht wurde, die – mich – mehr beeindruckt als einst Nintendos Wii oder auch PlayStation Move.

Bleibt das Problem, dass Xbox 360 über Jahre als Plattform für Spieler vermarktet wurde, die genau solche Sachen wie Kinect ablehnen: Was soll das schon mehr sein als Fuchtel-Quatsch mit Casual-Spielchen? Im Prinzip kein Problem, wendet man sich eben an neue Zielgruppen – die „Nintendogs“-Kids, die Familien. Die wiederum haben aber eventuell schon eine Wii oder sehen nicht, warum sie nun eher zum vermeintlichen Nachahmer Kinect greifen sollten, der dann auch noch teurer ist.

In den Massenmarkt wird Microsoft das Ganze wohl nur noch drücken können, wenn der Preis, der vielerorts schon unter 100 Euro gefallen ist, weiter nach unten geht. Und wenn sich zu den paar gelungenen Kinect-Frühwerken weitere Hochkaräter gesellen. Core-Gamer hin oder her, ICH würde sie spielen.

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Ein fiktives Gespräch

7. Mai 2010 Keine Kommentare

Entwickler E stürzt ins Büro von Entscheider A.

E: „Das Spiel ist quasi fertig und auch ganz prima, aber irgendwie hat’s noch die Torwart-KI zerschossen. Die machen manchmal total blödes Zeug!“

A: „Das ist aber schlecht jetzt. Die WM geht doch bald los. Das Spiel muss in die Läden. Wir schieben einen Patch nach.“

E: „Aber…“

A: „Oder noch besser: Wir machen einfach gar nichts. Dann haben wir schon ein tolles Feature für den Nachfolger – intelligente Torhüter. Ha!“

E: „Aber!?“

A: „Nix aber. Es war schon schwer genug, die spielbaren Ladepausen in letzter Sekunde noch durch Standbilder zu ersetzen.

E: „Warum haben wir das gleich noch mal gemacht?“

A: „Ich muss weg. Will heut noch ein Entwicklerstudio abwickeln.“

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Kurztest: PSP Go

28. Oktober 2009 Keine Kommentare

Meine dritte PSP. Gefühlt war ich der einzige Mensch, der sich ernsthaft auf die Go gefreut hat. Ja, ich finde den Verzicht auf einen physischen Datenträger zeitgemäß und das Gerät schick, toll verarbeitet und großartig bespielbar.

Ebenso ist die PSP Go aber auch zu teuer, kommt im Hinblick auf den Lebenszyklus der Plattform spät und kann für Besitzer eines Vorgängermodells ein Schlag ins Gesicht sein – denn die einst angekündigte Download-Option für bereits erworbene UMD-Titel gibt es nicht. Wer sich mit seiner alten PSP in den PlayStation Store einloggt, darf sich anschließend aus einer Liste an gut 15 (Sony-)Spielen einmalig drei Titel kostenlos auf die Go laden – das war es dann an Entschädigung.

Lässt man diesen unglücklichen Umstand außen vor, ist die PSP Go prima: Selbst im diesbezüglich oft rückständigen Deutschland ist das Download-Angebot groß, aktuell gibt es einige attraktive Neuentwicklungen und auch die PSP minis – „kleine“ Spiele für wenige Euro – sind teilweise sehr gelungen.

Mein Fazit nach den ersten Wochen: PSP-Erstkäufer holen sich eine Go, hoher Preis hin oder her. Screen, Design und Ergonomie sind fein – die oft gehörte Kritik über die Schultertasten kann ich nicht teilen. Als Besitzer eines vorherigen PSP-Modells sollte man entweder Fanboy sein und/oder akzeptieren wollen, einige der bisher gekauften UMD-Titel nun eben nicht auf der Go spielen zu können.

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