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Mein Problem mit Partnerlinks

9. April 2015

Es tut doch keinem weh: Wer über einen Partnerlink etwas bei Amazon kauft, erhält die Wunschware zum normalen Preis. Der Amazon-Partner, der den Link generiert hat, erhält eine Provision. Alle gewinnen, alle schauen fröhlich aus der Wäsche.

Es ist gut, wenn dieses System kreativen Projekten hilft: Blogs, Podcasts, Livestream-Sendern – eigentlich immer wenn ein Affiliate-Programm eine Leistung belohnt. Anders sieht es aus, wenn mir permanent Partnerlinks von Einzelpersonen vor den Latz geballert werden. Zum Beispiel bei Twitter. Dann verdient nämlich nur noch die Einzelperson. Bei Twitter-Marktschreiern mit einer fünfstelligen Follower-Zahl sprechen wir nicht von ein paar Cent, die hier mal eben mitgenommen werden. Die Menschen, bei denen mir dieses Verhalten besonders auffällt, sollten das nicht nötig haben.

Nun kann man das Ganze als Serviceleistung für die Follower abtun wollen, nur mag ich bei der Frequenz nicht mehr so recht an edle Motive glauben. Zumal häufig nicht neutral auf günstige Produkte hingewiesen, sondern die ach so geile Blu-ray-Box, das ach so geile Shirt und die ach so geile – und bestimmt bald wieder ausverkaufte, also schnell zuschlagen! – Limited Edition einer Videospiel-Konsole bejubelt und verlinkt wird. Der Partnerlink wird dabei nicht als solcher kenntlich gemacht. Es tut doch keinem weh. Doch. Mir.

Ich folge Menschen auf Twitter, weil es mich interessiert, was sie zu erzählen haben. Interessantes, Kreatives, Kurioses, Lustiges, Trauriges. Gerne kann man auch mal von einer Neuanschaffung schwärmen oder auf ein Produkt hinweisen, auf das man sich besonders freut. Das geht aber auch ohne Partnerlink. Wer tagein tagaus den heißesten Scheiß per Partnerlink an den Follower, Fan oder Abonnenten zu bringen versucht, macht dies aus Berechnung. Er ist nicht mehr daran interessiert, ein Profil über sich als Mensch, meinetwegen auch über sich als Künstler, zu betreiben. Er sammelt Anhänger als Klickvieh. Klickvieh, das über Umwege Geld in die eigene Kasse spült.

Eine Kennzeichnung von Partnerlinks würde das Verhalten der In-die-eigene-Tasche-Wirtschafter zwar kaum weniger fragwürdig, aber zumindest transparenter machen. Klar, manchem Käufer mag es egal sein, wenn jemand bei seinem Kauf mitverdient. Das ist okay. Es ist aber nicht davon auszugehen, dass bei – sagen wir mal – 25.000 Followern alle Linkklicker wissen, auf welche Art von Link sie gerade geklickt haben. Vielleicht, weil sie die Mechanismen hinter Affiliate-Programmen nicht kennen oder verstehen. Vielleicht auch, weil sie Kids sind, die nun unbedingt auch die Blu-ray-Box, das Shirt oder die Konsole haben möchten, die ihnen gerade verlinkt wurden. Was mir dieser coole Mensch empfiehlt, muss doch schließlich auch cool sein.

Wer sich ob dieser Zeilen furchtbar auf den Hoodie getreten fühlt: Ihr könnt auf Kritik gerne weiter reagieren wie trotzige Kleinkinder, euch weiter selbst in die Baggypantstaschen lügen und euch weiter über Moralapostel echauffieren. Es ändert nichts daran, dass ihr euch selbst auf einem schmalen Grat zu jenen befindet, auf die mit dem Finger gezeigt wird. Der Weg von der Blu-ray-Box zur Uhr von Michael Kors ist kürzer als ihr denkt.

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